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Musik als Bewegung  »  Einführung

Einführung

Wohl jeder, der irgendwann das Spiel auf einem Musikinstrument unterrichtet hat, stellt sich die bange Frage: Wie fühlt sich der Schüler/die Schülerin in dieser Stunde? Was wird ihm/ihr wohl durch den Kopf gehen? Was gibt ihm/ihr diese Stunde? Mitunter stelle ich mir diese Fragen, liebe Kolleginnen und Kollegen, kann aber darauf nicht antworten – ich bin nie zur Musikschule gegangen, und ich weiß nicht, wie es die Kinder mit ihren eigenen Augen sehen.

Deshalb präsentiere ich Ihnen meine eigenen methodischen Anmerkungen mit einem Gefühl der Unzulänglichkeit und Scham, weil ich weiß, dass die musikalische Erfahrung der meisten von Ihnen viel tiefer ist und in die Zeit zurückreicht, bis in die Tiefen der Kindheit. Doch trotz der Oberflächlichkeit meines Wissens wage ich es, meine Erkenntnisse mit Ihnen zu teilen. Meine Hoffnung ist, dass ich den Prozess des Kennenlernens und Erlernens eines Musikinstruments in einem relativ fortgeschrittenen Alter durchlaufen habe und daher die Schüler und ihre innere Befindlichkeit im Unterricht durch das Prisma eines relativ aktuellen Erlebens betrachten kann. So hoffe ich, dass diejenigen, die noch auf der Suche nach ihrem eigenen Stil des Unterrichtens sind, von meinem Herantasten profitieren können, und denjenigen, die bereits ihre eigene bewährte Routine haben, könnten meine Beobachtungen helfen, einen kleinen Frischekick in den Unterricht zu bringen.

Die methodischen Anmerkungen sind in 9 Kapitel unterteilt. Sie sind nicht in erster Linie für Lehrer gedacht, die sich einer überdurchschnittlichen Begabung ihrer Schüler erfreuen können. Sie richten sich an Pädagogen, deren Schüler Blockflöte spielen möchten, ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten entwickeln und kultivieren wollen, Spaß daran haben, wobei Leistung nicht das primäre Ziel ist. Der Text ist auch kein Lehrbuch und keine Methodik im herkömmlichen Sinne – er ist vielmehr ein Denkanstoß oder ein Versuch, den Unterricht in einer Weise zu betrachten, die in den Lehrbüchern nicht explizit beschrieben wird, und versucht, die verfügbaren Methoden mit der Unterrichtspraxis zu verbinden. Gleichzeitig ist es meine persönliche Sichtweise des Unterrichts und eine Aufzeichnung dessen, was sichfür michim Laufe der Jahre bewährt hat. Für die meisten Lehrer wird das angesichts der Literatur, auf die ich mich stütze, höchstwahrscheinlich nichts Neues sein, dennoch lässt es sich nicht vermeiden, das bereits Gesagte viele Male zu wiederholen. Ich hoffe, die Leser verzeihen mir.

Auf einige Themen wird hier nicht eingegangen, da ich davon ausgehe, dass wirklich lehrinteressierte Kolleginnen und Kollegen die Methodik sowohl der The Modern Recorder Player von Walter van Hauwe und der Flautoškola von Jan und Eva Kvapil kennen als auch die modernen Lehrbücher von M. Zimmermann, H.-M. Linde usw. Ich habe mich viel von einer Literatur inspirieren lassen, die nicht direkt mit dem Erlernen des Blockflötenspiels zu tun hat. Es ist zum Beispiel die Technique of Playing the Saxophone von David Liebmann, Stage Fright von Kato Havas oder Choke von Sian Beilock. Die Herangehensweise an den Unterricht und an die Schüler wurde stark von den Büchern von Irvin D. Yalom beeinflusst, die Methode zum Unterrichten von Musik als Bewegungsform durch das Buch von Moshé Feldenkrais, auch fand ich viele Anregungen im Text Effortless Mastery von Kenny Werner. Alle genannten Literaturstellen findet der Leser am Ende jedes Kapitels, Zitate und Verweise gebe ich aufgrund der Seitenstruktur direkt im Text an.

Ich glaube sagen zu können, dass in meinem Unterricht das Ziel und der Weg gleichzeitig auch Wachstum ist – das innere Wachstum jener kleinen Menschen, die von der Musik mit unserem Beitrag verzaubertwerden und diese zu einem Helfer wird, durch Emotionen, Gefühle und Eindrücke, die das Spielen eines Instruments hervorruft, sich selbst zu entdecken. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass mich die Erinnerungen, die mit dem Spielen und Proben von Stücken/Kompositionen verbunden sind, wie eine spezielle Zeitmaschine in Momente vor vielen Jahren zurückversetzen können, mir helfen, mich an den damals gegenwärtigen Moment zu erinnern. Und wenn andere so empfinden, wenn auch nur einige, lohnt es sich dann nicht, nur gute Erinnerungen an eine Zeit voller Musik zu schaffen?

Ich muss dabei nicht Spaß und Ablenkung bieten, die Kindlichkeit der Kinder ausnutzen und mich wie auf einem Jahrmarkt anbiedern. Ich bin davon überzeugt, wenn ich ihnen durch Musik das anbiete, was sie sonst nirgendwo finden können, dass sie dann gern und schön spielen und liebenswerte Menschen aus ihnen werden. Ich bestreite nicht, dass es ein langer Weg ist und dass nicht jeder bereit ist, ihn zu gehen. Aber ich versuche es immer wieder.

Ich möchte meiner lieben Karolína ganz herzlich für ihre Unterstützung bei der Entstehung der Aufnahmen und des gesamten Projekts danken. Ebenfalls möchte ich mich auch bei Gabriela Coufalová für das Lesen der Texte und für die aufmunternden Worte bedanken, sowie bei allen, die die Idee unterstützt und die Daumen gedrückt haben. Großartige Arbeit haben die Ersteller der Website - David Winter und Pavel Martínek geleistet - danke. Nicht zuletzt möchte ich mich bei meinen Schülern und ihren Eltern bedanken, die bei der Entstehung der Aufnahmen dabei waren und deren Mitarbeit an den Aufnahmen mir die Richtung gewiesen hat, in die ich gehen soll.