Diminution (
division in England,
diferencias oder
glosas in Spanien,
double in Frankreich,
passaggio in Italien) ist eine Form der Verschönerung oder Variation einer Melodielinie, wobei ein langer Ton in kürzere Werte unterteilt wird und die Intervalle in der ursprünglichen Melodie werden von diesen kürzeren Noten gefüllt/umhüllt. Die Blütezeit der Diminutivpraxis fällt in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, wo sie in einer Reihe von Traktaten, die sich mit der Technik befassen, dokumentiert ist: Silvestro di Ganassi dal Fontego:
Opera intitulata Fontegara (1535), Diego Ortiz:
Trattado de Glosas (1553), Girolamo Dalla Casa:
Il vero modo di diminuir (1584), Giovanni Bassano:
Ricercate, passaggi et cadentie (1585) etc. In den Jahren 1580 - 1620 entstanden eine Reihe von Kompositionen, die aus polyphonen Chansons hervorgingen und wo eine oder mehrere Melodielinien mit Diminutiven ausgeschmückt wurden. Die Autoren der ursprünglichen Chansons waren berühmte Komponisten der Hochrenaissance -Th. Crecquillon, J. Clemens non Papa, R. de Lassus, G. P. da Palestrina, J. Courtois u.a. Lieder mit Diminutiven waren für verschiedene Instrumente bestimmt - Blockflöten oder Querflöten, Cornetto, Bratschen (Viola la gamba, Viola bastarda) und andere.
Anmerkung
Basso continuo: Martin Perkins (Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers)
varh. = Organ
ladění: středotón 1/6 koma
= 1/6-Komma mitteltönige Stimmung
rovnoměrně temperované ladění
= Gleichstufige Stimmung
Notenliteratur
Crecquillon:
Moderne Ausgabe: Divisions on Chansons I
IMSLP: Un gay bergier
Clemens non Papa:
Moderne Ausgabe: Divisions on Chansons I
IMSLP: Frisque et gaillard
Palestrina:
Moderne Ausgabe: Vestiva i colli settings
IMSLP: Vestiva i colli